Internationales Symposium
So war ein internationales Symposium übertitelt, das sich dem Eigen- und dem Fremdbild der größten europäischen Minderheit widmete: den Roma und den Sinti. Über 12 Millionen Roma und Sinti leben in Europa, mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten.
Was sie eint: outen sie sich als Angehörige ihrer Bevölkerungsgruppe droht ihnen gesellschaftliche Ausgrenzung, Stigmatisierung und in etlichen Ländern vor allem Ost-Europas Verfolgung. Denn das alte Bild von den „Zigeunern“, die als „fahrendes Volk“ bestenfalls Scheren schleifen und gute Musik machen, im schlechtesten Fall betteln und stehlen, ist auch heute mehr als lebendig, auch hier in Berlin. Das zeigen die ständigen Auseinandersetzungen um den Umgang mit den vor allem aus Rumänien und Bulgarien zuziehenden Roma-Familien, die als EU-BürgerInnen jedes Recht der Welt haben, hier zu sein. „Wir haben es mit strukturellem Rassismus zu tun, der sich in Form von Anti-Ziganismus zeigt“, sagte Daniel Strauss vom baden-württembergischen Landesverband der Sinti und Roma. „Es ist Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft, ihre Mechanismen zur Ausgrenzung und Diskriminierung der Roma und Sinti aufzudecken, zu bekämpfen und abzustellen“. Am dringendsten sei die Öffnung von diskriminierungsfreien Zugängen zu Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnen. Das gilt für die gesamte Europäische Union. Die Teilnehmer eines Panels zur europäischen und nationalen Strategien zeigten sich überzeugt, dass die EU-Roma-Rahmenstrategie zwar ein begrüßenswerter Ansatz sei. Das größte Problem sei jedoch, dass er ohne wesentliche Roma-Beteiligung entwickelt und umgesetzt werde. Damit werde das große Ziel, die Veränderung der Mehrheitsgesellschaften gerade nicht erreicht. Dennoch sei nicht nur eine europäische Rahmenstrategie notwendig, sondern endlich auch eine nationale Roma- und Sinti-Strategie, die mit lokalen Umsetzungsperspektiven verbunden werden müsse, so etliche TeilnehmerInnen. Emran Elmazi, Vorsitzender von Terno Drom, einer interkulturellen Jugendorganisation, drängte derweil darauf, dass sich auch die Kultur des Umgangs miteinander ändern müsse. „Es muss möglich sein, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen und miteinander Maßnahmen verabreden.“ Die europäischen Rahmenstrategie und die Situation der Roma in Europa wird am 10.10.2011, dem internationalen Tag der Menschenrechte, Thema einer großen Konferenz der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus gemeinsam mit den Linksfraktionen im Europäischen Parlament und im Bundestag sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mehr dazu hier